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Foto by: TdT, Ziel in Söll
Foto by: Hinze, Tour de Tirol
Foto by: Hinze, Tour de Tirol
Foto by: Hinze, Glücksselfie

Wo Trailläufer nach dem „Bergdoktor“ rufen [ vom 30.09.2016 ]

Die dreitägige „Tour de Tirol“
Für Trailläufer Peter Hinze gilt die „Tour de Tirol“ längst als sportliches Herbst-Highlight in Österreich. Doch die Region am Wilden Kaiser und der Hohen Salve können auch Genuss-Wanderer in gemütlicher Gangart entdecken. Ob Trailrunner oder Wanderer – mit der „Tour de Tirol“, die vom 7. – 9. Oktober 2016 stattfindet und an diesen drei Tagen über 75 Kilometer und 3.500 Höhenmeter führt, beginnt für Peter Hinze die perfekte Outdoor-Jahreszeit:

Die Sonne steht so prächtig am blauen Himmel, dass man seinen Platz auf der Terrasse des „Hotel Hochfilzer“ gar nicht räumen möchte. Noch zeigt sich keine Spur von Schnee, noch glänzt goldenes Herbstlaub – und vom Blick auf die Hohe Salve will sich der Gast einfach nicht trennen. „Heidi bring noch einen Spritz“, schallt es vom Nebentisch herüber. Doch wir bleiben, schweren Herzens, beim Mineralwasser. Schließlich ist die „Tour de Tirol“ (TdT) angesagt.
Und wenn die Sonne fast schon hinter die Tiroler Berge versinkt, dann erwacht das beschauliche Söll, unten im Tal, für drei Tage zu neuem Leben. Die ältere Generation verbindet mit Söll vor allem aufreibende Praxistage des „Bergdoktors“. Der TV-Serienstar residiert seit 2007 auf dem nahen „Gruberhof“, mittlerweile eine Touristenattraktion mit Wallfahrtsort-Charakter.
Die sportlichere Generation bleibt am Freitagabend, dem ersten Tag der „TdT“ lieber unten im Tal, lässt den Gruber, Gruber sein – und macht sich für den 10-Kilometerlauf warm.

Tag 1: Söller Zehner – 10km / 255 Höhenmeter

Unterschätzt – dreimal im Kreis um Geranie und Begonie
Wenn die Dunkelheit kommt, blüht „Europas schönstes Blumendorf“ auf. Im Dorfzentrum von Söll startet der erste Teil der „TdT“. Drei Runden a’ 3,3km durch ein ziemlich dichtes Spalier an Zuschauern. Der stimmungsvollste Teil des flotten Lauf-Dreiers. Doch Trailrunner, die die Strecke unterschätzen, seien gewarnt: Der Anstieg hinterm Dorfplatz hat es in sich. 84 Höhenmeter pro Runde sind nicht lächerlich! Bei hohem Tempo wird man ziemlich schnell kurzatmig. So bleibt für Blick und Blumen wenig Zeit. Und zum Glück ist nach nicht einmal einer Stunde alles vorbei. Und nun folgt der schönste Teil des ersten Tages: Ich liebe diese Mehrtagesrennen, die einen festen Standort haben. Herrlich, abends wieder nach Söll zu kommen und zu wissen: Oben am Hang liegt das „Hotel Hochfilzer“, dessen kulinarische Stärke den „TdT“-Start zum Genuss macht.
Für Herbst-Wanderer: Diese 3,3km lange Runde ums Dorf ist für jedermann eine schöne Aufwärm-Genuss-Strecke. Also raus mit den Wanderschuhen und sich locker machen. 100%-„TdT“-Erlebnis-Faktor. Und der große Vorteil für Wanderer gegenüber den Läufern: Ihr könnt Blumen und Blick in aller, aller Ruhe genießen!

Tag 2: Kaiser Marathon Söll – 42,195km / 2.068 Höhenmeter

Im Laufschritt durch die Hüttn’ – Marathon bis auf die Hohe Salve
Sie nennen ihn den „Kaiser Marathon“. Früher war es, ja seien wir ehrlich, eine ziemlich asphaltierte Angelegenheit. Doch seit 2015 hat der zweite Tag der „TdT“ das Zeug zum Klassiker. Die 42,195 Kilometer führen zumeist über zünftige Forst- und Wanderwege. Der Beginn scheint harmlos: ein wenig Scheffau, ein wenig Ellmau, kennt man ja vom Skiurlaub. Doch ab Kilometer 21 geht’s aufi. Schnell wird klar: Hütten haben sie genug am Berg. Doch eine sticht stimmungsmäßig heraus: Direkt durch die Tanzbodenhütte führt das Rennen. Schnell ein Schluck Weißbier, Küsschen vom DJ und ein paar Selfies, so viel Zeit muss sein, schließlich gibt es nur wenige Trailrennen weltweit, die eine Berghütte durchqueren.
Spätestens am Hexenwasser (38km) hat der Spaß jedoch ein Ende: Auf den letzten vier Kilometern bis zum Ziel sind noch einmal 500 Höhenmeter zu überwinden. Der härteste Teil der „TdT“ führt anfangs über schmale Single Trails und auf den letzten 400 Metern per Direttissima auf den Gipfel der Hohen Salve. Die Belohnung (Rangfolge nach Wichtigkeit): eine kostenlose Talfahrt mit der Bergbahn, eine goldene Wärmedecke, ein Weißbier, ein großartiges Rundblick auf über 50 Dreitausender – und eine Finisher-Medaille. Schöner und anstrengender kann ein klassischer Marathon in den Alpen kaum enden.
Für Herbstwanderer: Der Weg ist diesmal nicht das Ziel, sondern das Ziel heißt Hohe Salve. Den Gipfel erreicht man am bequemsten mit der Bergbahn von Söll aus. Wenn es etwas Wandern sein darf: Von der Talstation der Bergbahn auf guten Wegen bis zum Hexenwasser, danach weiter per Bahn oder etwas anstrengender zu Fuß zum Gipfel. Auch hier: fast 100%-„TdT“-Erlebnisfaktor

Tag 3: Pölventrail – 23km / 1200 Höhenmeter

Natur pur – Weils’d a Trail hast wia a Bergwerk
Der Morgen nach dem „Kaiser Marathon“ ist der morgen der Wahrheit. Muskelkater-Qualen oder Vorfreude? Den meisten Läufern wird der Marathon in den Beinen stecken. Doch der heutige Pölventrail fordert schon kurz nach dem Start die ganze Aufmerksamkeit: Es geht so steil hinauf, dass manch Läufer glauben mag, er fährt Seilbahn. . . Diese Strecke ist Trailrunners Liebling: schmale Pfade (Single Trails), schöne Ausblicke, dichte Wälder – und auf halber Strecke geht’s durchs Bergwerk (ehrlicher gesagt: durch einen Steinbruch; doch dann hätte es mit der Überschrift nicht so gut geklappt: Weils’d a Trail hast wia a Steinbruch. . . nee). Der Steinbruch in Bad Häring ist nur für Läufer einmal im Jahr öffentlich zugänglich und mit einem Verpflegungsstand ein perfekter Stopp für eine kurze Erfrischung, ehe es hinunter nach Söll geht. Zurück zum Ziel, zurück zum Finish der „Tour de Tirol“. . .
Für Herbstwanderer: Dies ist ein herrlich entspannte Wanderung durch Wiesn, Wald, Berg und Tal. Auf das „Bergwerk“ muss verzichtet werden, es gibt eine „Umgehung“. Doch das schmälert den Wandergenuss kaum.
Nach dem dritten Zieleinlauf am Dorfplatz von Söll ist es Zeit für ein Fazit: Inzwischen feiert die „TdT“ bereits die 11. Austragung und man hat in Söll in dieser Zeit viel dazugelernt (was man leider nur selten von Raceveranstaltern sagen kann, denn die meisten halten sich für die besten Organisatoren unter dem gesamten Alpenhimmel): Aus einem eher auf Straßenlauf ausgerichteten Rennen ist ein attraktiver Trailevent geworden. Und damit trifft „die Tour“ absolut den Trend, der immer mehr nach Trails in herrlicher Landschaft abseits der ausgetretenen Routen erlangt. Hier hat man nun eine fast perfekte Mischung gefunden. Die „Tour de Tirol“ ist angekommen in der Welt der Trailrunner – und bei nicht allzu weiter Anreise ein idealer Saisonabschluss. Wir kommen wieder, wenn’s zeitlich passt!
Für Herbstwanderer: Lass die jungen Wilden laufen. Es geht genauso schön und mit nur ganz geringen Abstrichen auch im normalen Wandertempo. Nur die wirklich guten Verpflegungsstände, die sind nicht mehr da. . . aber es gibt ja Hütten genug. . .

Autor Peter Hinze
(Startnummer 475 war 9:09 Stunden unterwegs. Die Zeit reichte im Gesamtklassement für Platz 158; und in der Altersklasse M55 immerhin für den 6. Platz. Fazit: zufrieden!)


Informationen:
Alles zur 3-Tage Herausforderung „Tour de Tirol“ unter: http://www.tourdetirol.com
Infos zu Söll und Umgebung unter: http://www.wilderkaiser.info/de/region-tirol/orte/soell.html
Wenn’s ein wenig mehr Berg sein darf – alles zum Wilder Kaiser unter: http://www.wilderkaiser.info
Mehr zum Thema Trailrunning schreibt der Autor Peter Hinze unter: http://www.reception-insider.com
Schmachtfetzen gefällig? Per Video auf den Söller Spuren des Bergdoktors Bergdoktor im Söller Video: http://www.wilderkaiser.info/de/sommer-tirol/sport-freizeit/bergdoktor-drehorte.html
Übernachtungstipp mit hochprozentiger Garantie: Das „Hotel Hochfilzer“ ist die perfekt-kulinarische Basis. Danke, auch für den selbstgebrannten Schnaps, von Chefin Heidi während des Pölventrails, der bei Kilometer 22 direkt am Haus vorbeiführt, serviert. Am Ende haben dem Autor 4 Sekunden für Platz 5 gefehlt. Hier hat er sie liegenlassen. Egal, es war die Sache wert: http://www.hochfilzer.info/


Foto-Hinweis: Peter Hinze / Tour de Tirol / TVB Wilder Kaiser
Redakteur: und Fotos: Peter Hinze Quelle: eigen

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