Traupen-Trespe, Frösche und Nachtigallen

Golfplätze sind besser als ihr Ruf

Hurra, es gibt sie noch – die Traupen-Trespe, gelegentlich auch Trauben-Trespe genannt. Diese als „stark gefährdet“ eingestufte Pflanze, die zur Familie der Süßgräser zählt und bitte nicht mit der gemeinen Acker-, Wiesen- oder Wald-Trespe zu verwechseln ist, findet sich beispielsweise im Golf Club Domäne Niederreutin; natürlich im Rough. Diese mutmachende Erkenntnis verdanken wir einem wissenschaftlichen "Blick über den Fairwayrand" hinaus von Prof. Dr. Martin Elsäßer, Fachbereichsleiter beim Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg, der zeigt, dass die Golfplätze in Hinblick auf den Naturschutz besser als ihr Ruf sind. Eine 2019 durchgeführte Untersuchung von 15 Golfanlagen - gefördert im Rahmen eines Sonderprogramms durch das Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz – brachte dies beispielhaft zu Tage. Da Wiesenflächen besonders artenreich sind, lassen sich in den Rough-Flächen von Golfanlagen - abhängig von deren Pflege - bis zu 100 verschiedene Pflanzenarten finden. Es wurden 33 Arten gefunden, die auf der Vorwarnliste stehen, 21 gefährdete und weitere 4 stark gefährdete Spezies. Übrigens, die artenreichste der untersuchten Golfanlagen war die in St. Leon-Rot mit 105, gefolgt vom Golfclub Rickenbach mit 94 Arten und dem Waldsee Golfresort mit 92 Arten.

Bereits im Frühjahr frohlockte der Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Dr. Andre Baumann, an anderer Stelle: „Viele Golfanlagen bei uns im Südwesten zeigen: Sie sind Oasen für die Natur mit bunt blühenden Wiesen, Teichen voller Kröten und Frösche, sowie Gehölzen, in denen Nachtigallen brüten.“ Also noch mehr gute Gründe, mit seinem Abschlag, doch möglichst auf dem Fairway zu landen.
Das Thema Naturschutz und Golfen wurde auch auf der diesjährigen CMT in Stuttgart im Rahmen der Sonderausstellung „Golf- & Wellnessreisen“ – ganz ernsthaft und unverkrampft - dargestellt. Unter dem etwas sperrigen Titel „Biodiversität auf Golfanlagen“, wurde dort ein Pilotprojekt des Baden-Württembergischen Golfverband (BWGV) zusammen mit dem Deutschen Golf Verband (DGV) und Landesministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft vorgestellt, das einen Katalog für die geplanten Aktionen erstellt hat.

Mit „Golf & Natur“ wurde ein Umwelt- und Qualitätsmanagementprogramm etabliert, in dem Artenschutz und Sicherung von Lebensräumen eine wichtige Rolle spielen. Bundesweit wurden allein in den vergangenen Jahren 26 Golfclubs neu zertifiziert, das sind insgesamt 162 Plätze, laut DGV.
Auch wenn die offizielle Botschaft von Verbandsseite oder aus einer Politikerrede so inhaltsschwer und staatstragend daherkommt, sie stimmt ganz einfach: Der grüne Sport fördert die grüne Infrastruktur.

Quelle: eigen

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