Im Bann der Botanik

Gärten, Schlösser und Herrensitze in Mecklenburg-Vorpommern

Über Jahrhunderte haben die mecklenburgischen Herzöge im Schweriner Stadtschloss residiert. Seit drei Jahrzehnten regiert nun der Landtag des nordostdeutschen Bundeslandes in dem prunkvollen Wahrzeichen der Hauptstadt.
Das märchenhafte Schloss, mitunter auch als „Neuschwanstein des Nordens“ bezeichnet, thront auf einer kleinen ufernahen Insel im Schweriner See. Neben dem nach Vorbild der französischen Renaissanceschlösser errichteten Bauwerk wurde der herrschaftliche Park inzwischen zu einem wahren Besuchermagnet.

„Der Schlossgarten ist für uns das eigentliche Event“, sagt Dietmar Braune, der sich bei der staatlichen Schlösserverwaltung um die nachhaltige Pflege kümmert. Die Bundesgartenschau vor einigen Jahren gab den Anstoß, die weitläufige und über lange Zeit vernachlässigte Gartenanlage, die das Denkmal geschützte Schloss umgibt, angemessen herauszuputzen. Mit Themen-Arealen wie „Symmetrie mit Seeblick“, „Garten des 21. Jahrhunderts“ oder „Schweriner Gartensommer“ hat „die kleinste, aber schönste Landeshauptstadt“, wie Gartenbauingenieur Braune im Brustton der Überzeugung verkündet, bei den Besuchern und den Einheimischen mächtig gepunktet. Stundenlang könnte man durch den 25 Hektar großen Schlossgarten nebst dem kleineren Burggarten schlendern, durch die kunstvoll getrimmten Laubengängen wandeln oder zwischen den Kolonaden um die Orangerie flanieren und sich von der ungeahnten Pflanzenvielfalt verzaubern lassen.

Unter den etwa 2000 Schlössern, Gärten und Herrenhäusern, die sich von der Müritz bis zur Ostsee über Mecklenburg-Vorpommern ausbreiten, gilt das Schweriner Stadtschloss als das prachtvollste. Das barocke Schloss Bothmer mit seiner weitläufigen Parkanlage im Klützer Winkel ist dagegen auf eine andere Art beeindruckend. Im geschichtsträchtigen Haupthaus wurde nach behutsamer Renovierung aus EU-Töpfen ein Museum eingerichtet. Über dem Eingang zur Schlossanlage leuchtet der Wahlspruch des einstigen Hausherrn Graf von Bothmer in goldenen Lettern: „Was immer du tust, tu es mit Bedacht, bedenke das Ende“. Mit diesem Leitspruch hatte es der Landadelige einst bis zum Londoner Gesandten im Dienst des kurfürstlichen Hauses Hannover gebracht. Als standesgemäßen Dienstsitz ließen ihm die Hannoveraner damals die Downing Street Nr.10 errichten, die noch heute Sitz des jeweiligen Premierministers von Großbritannien ist.

Nicht jedes der einst herrschaftlichen Gemäuer steht indessen unter öffentlicher Obhut und Förderung. Auf Schloss Lühburg am Rande der Mecklenburgischen Schweiz haben sich so genannte Wiedereinrichter, also Nachfahren der adeligen Vorbesitzer, niedergelassen und kräftig aus der Privatschatulle investiert. Vor dem Eingang der herrschaftlichen Dreiflügelanlage erwartet Hausherr Wolf-Christian Calsow die Gäste. Im Entré der 1730 von Friedrich von Bassewitz erbauten Anlage überreicht seine Frau die Schlüssel zu den individuell gestalteten Ferienwohnungen. Vor zehn Jahren hat die Urenkelin des letzten hier lebenden Grafen von Bassewitz ihren weltlichen Alltag im bayerischen Regensburg gegen das Leben im Schloss ihrer Vorfahren eingetauscht. „Wir wollten noch einmal etwas ganz Neues aufbauen“, sagt Dorothee Calsow, von deren vier Kindern drei bereits aus dem Haus sind. Doch wenn ein Event in einem der weitläufigen Seitenflügel angesagt ist, finden sich alle ein.

Das Gutshaus Rensow nahe Rostock, das vor über tausend Jahren als Festungsanlage diente, hat Knut Splett-Henning für sich und seine junge Familie entdeckt. Nach Jahren Kernerarbeit in den als Wohnheim für sozialistische Landarbeiter genutzten Räumen, hat der eloquente Unternehmensberater das barocke Haus in seinen Originalzustand zurückversetzt und mit stilechtem Mobiliar bestückt. Trotz der großen Räume strahlt das alte Rittergut eine familiär gemütliche Atmosphäre aus. „Das schätzen unsere Gäste“, betont die zierliche Hausherrin, die aus einem dänischen Adelsgeschlecht stammt.

Der gesellige Gastgeber deckt unterdessen die große Tafel im Wohnzimmer. Alles, was das Mecklenburgische Parkland zu bieten hat, kommt auf den Tisch, vom Wild über Fisch und Gänseleber bis zum eingelegten Gemüse und süßen Leckereien aus dem Obst der heimischen Bäume. Unter dem Titel „Zu Tisch bei Freunden“ hat das Gutshaus Rensow die Initiative zum „Gutshaushopping“ ergriffen. Fünfzehn Adelssitze beteiligen sich bisher an der sommerlichen Aktion, Gäste reihum zu bewirten, wenn sie in einem der herrschaftlichen Häuser übernachten. „So kann man die Vielfalt unseres herrlichen Parklandes entdecken und schmecken“, bringt der dynamische Rittergutsbesitzer seine Idee auf den Punkt“.

Mit Gutshaus Gross Siemen bei Bad Doberan hat sich Familie Schütte einen Traum erfüllt, der während der mühsamen Restaurierungsarbeiten allerdings zeitweise zum Albtraum wurde. Die Initiative stammt von Hausherrin Edda Schütte, der das Landleben eine Herzensangelegenheit ist. Ihre sortenreiche Rosenzucht hat die studierte Juristin gleichsam in einen Bann der Botanik gezogen. Sie schlug Sichtachsen durch das weitläufige Grundstück, errichtete anstelle des alten Kuhstalls eine Orangerie und gestaltete sukzessive ein umfangreiches Rosarium mit alten und neuen Rosenarten. Wenn ihr malerischer Garten jedes Jahr jeweils an einem Sommer-Wochenende als einer der schönsten Gärten Mecklenburg-Vorpommerns für Besucher offen steht, führt die Hausherrin gerne durch ihr kleines Paradies. Dabei wandelt man auf Rundwegen, über Teichbrücken und bestaunt vor allem die Vielfalt an Rosen. Bei Ihrer Kaffeetafel wird die Spezialität der unermüdlichen Gastgeberin in Form einer Rosentorte schließlich auch zu einer Gaumenfreude

Quelle: eigen

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