Yayoi Kusama im Museum Ludwig in Köln

Wer einen Kurztrip nach Köln plant, hat bis zum 2. August 2026 einen außergewöhnlichen Anlass mehr: Das Museum Ludwig zeigt eine umfassende Retrospektive der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama, 300 Werke, direkt am Fuß des Kölner Doms. Ein Lebenswerk, das bewegt.
Punkte, Punkte, wieder Punkte: Kaum ein Markenzeichen in der zeitgenössischen Kunst ist so unverwechselbar wie das der 97-jährigen Yayoi Kusama. Mit der Retrospektive feiert das Museum Ludwig zugleich sein 50-jähriges Bestehen. Schon im Foyer wartet die Überraschung: Eine mannshohe Kürbisskulptur, leuchtendes Gelb, übersät mit schwarzen Polka Dots, empfängt die Besucher und gibt den Ton vor. Die von Stephan Diederich kuratierte Schau führt durch ein beeindruckendes Lebenswerk – von großformatigen Gemälden über Skulpturen und Installationen bis hin zu Mode und Filmdokumenten über Kusamas New-York-Performances.

Verloren im gelb-schwarzen Wurm
Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der Fondation Beyeler (Riehen/Basel) und dem Stedelijk Museum Amsterdam realisiert. Herzstück ist eine eigens konzipierte, begehbare Rauminstallation mit Infinity-Mirror-Room. Wer den gelb-schwarzen Raum mit seinen organischen, wurmartigen Formen betritt, fühlt sich sofort in ein Labyrinth ohne Anfang und ohne Ende versetzt. Und wer danach frische Luft braucht: Auf der Dachterrasse warten Kusamas bunt bemalte Bronze-Blumenskulpturen. Mit freiem Blick auf den Kölner Dom. Weniger bekannt, aber ebenso faszinierend: Kusama ist auch Schriftstellerin. Romane und Lyrikbände gehören zu ihrem Schaffen. Auch dazu gibt die Ausstellung einen Einblick.

Die Flower-Power Bewegung entdeckte Kusama und umgekehrt
Wer verstehen will, warum Kusamas Kunst so ist, wie sie ist, muss zurückblicken. 1929 im japanischen Matsumoto geboren, wuchs sie unter einer strengen, wenig einfühlsamen Mutter auf. Schon als Kind plagten sie Halluzinationen. Überall sah sie Punkte und Netze, die sich über Menschen und Gegenstände legten. Statt professioneller Hilfe fand sie Zuflucht im Malen. „Ich wachte eines Morgens auf und sah, dass das Fenster mit einem Netz überzogen war", beschrieb sie später. „Da sprang das Netz auf mich über und bedeckte meinen ganzen Körper. Ich schrie um Hilfe, dann verlor ich mein Bewusstsein." Die Kunst wurde ihre Überlebensstrategie, blieb heute.
New York wurde Kusamas Bühne. Sie wurde Teil der Flower-Power-Bewegung, protestierte gegen den Vietnamkrieg und sorgte mit provokanten Happenings für Aufsehen, nackte Körper, bemalt mit Punkten. In dieser Zeit entstanden auch die „Infinity Nets": monumentale Netzgemälde, die heute auf Auktionen für bis zu zehn Millionen Dollar gehandelt werden.
Mit Netzen bringt Kusama ihre Weltanschauung auf die Leinwand: Die Natur in ihrem ewigen Kreislauf aus Werden und Vergehen, das Universum als grenzenloses Ganzes, in dem das Individuelle sich auflöst. Ob Polka Dots, Netzgemälde oder Spiegelräume, immer kreist ihr Werk um dieselbe Frage: Was bleibt, wenn alles vergeht? Und gibt es einen Anfang und ein Ende? Seit 1973 lebt Kusama wieder in Japan, freiwillig in einer Psychatrischen Klinik unweit ihres Ateliers im Tokioter Stadtteil Shinjuku.

Weitere Informationen:
Museum Ludwig,direkt am Kölner Dom, bis 2. August 2026, Di–So 10–18 Uhr (langer Donnerstag bis 22 Uhr, schnell ausverkauft.) Tickets nur online buchbar mit Einlasszeit ( regulärer Ticketpreis 19,80 Euro, zahlreiche Vergünstigungen)
unter: https://www.museum-ludwig.de

Quelle: eigen

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