Deutschlands Gewinn in der Kubakrise

Wie deutsche Reiseveranstalter vom Reiseverbot und Wirtschafts-Embargo der US-Regierung profitieren
Die Meldung hatte auf den ersten Blick einen bedrohlichen Inhalt. Das Motto: Der nächste Rückschlag für den internationalen Tourismus in unruhigen Zeiten. Der Anlass: Kubas Tourismusminister Manuel Marrero musste vor dem Parlament in Havanna einräumen: Der Karibikstaat erwartet im Jahr 2019 rund zehn Prozent weniger ausländische Touristen. In den letzten Jahren erfolgsverwöhnt, hatten die zu den letzten linientreuen Kommunisten zählenden Politiker mit 5,1 Millionen Gästen gerechnet. Nun werden es möglicherweise „nur“ 4,3 Millionen Besucher sein.?Gefühlt ist diese Zahl vergleichbar mit einer deutschen Fußballmeisterschaft des FC Bayern München mit zehn anstatt mit 20 Punkten Vorsprung. Also ein Klagen auf hohem Niveau.?Doch der Rückgang trifft ein durch ein 1960 von den USA gestartetes Wirtschafts-Embargo besonders hart getroffenes Land, dass im Rahmen einer Lockerung der Zwangsmaßnahmen durch die Regierung unter Barack Obama eine bessere wirtschaftliche Zukunft vor allem durch den internationalen Tourismus erwartete.

Denn, wo die strengen Kommunisten einen Hauch von „privaten Geschäften“ wie private Zimmervermietung, den Betrieb von privaten Restaurants oder die beliebten Oldtimer-Taxirundfahrten vor allem in der Hauptstadt Havanna als touristische Attraktionen erlaubten, da bot sich auch für „normale“ Kubaner die seltene Möglichkeit, etwas Geld und damit heiß begehrte Devisen zu verdienen. „Tourismus bringt das meiste Geld in unser Land ", bilanzierte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel in der gleichen Parlamentssitzung.?Doch dieser karibische Gäste-Abschwung sucht seinen Ursprung nicht in Terrorattacken, Naturkatastrophen oder Airline-Pleiten: Dieser Abschwung trägt Toupet – und den Namen Donald Trump, der dem Embargo Mitte April zu alter Stärke verhalf; versehen mit einem heftigen Seitenhieb auf Ex-Präsident Obama. ?Um es so kurz wie auf Twitter zu machen: die amerikanischen Reiseerleichterungen gehören der Geschichte an. Nur noch Verwandtenbesuche sind möglich. Ebenso liegt der Zahlungsverkehr mit Summen über 4000 US$ zwischen den beiden Ländern wieder auf Eis.?Dabei hatte die von Obama gestartete Annäherung an Kuba zu einem Art Wild-West-Gefühl auf der Karibikinsel geführt: innerhalb weniger Wochen haussierten Hotelpreise, bekamen die Investitionen den Charakter eines „Neuen Marktes“ und die (noch) begrenzte Zahl der Touristenbetten war plötzlich auf Jahre hinaus „completamente reservado”, völlig ausgebucht.?

Europäische, also auch deutsche Reisveranstalter, fanden sich plötzlich in der zweiten oder dritten (Betten)-Reihe wieder. Und bei den beliebten Kreuzfahrten musste so mancher selbst schauen, wo er seinen Anker warf. „USA first“ lautete das Motto am Pier nahe der Altstadt. Der touristische Commandante Marrero schätzt nun allein bis zum Jahresende seien mehr als 560.000 US-Bürger auf Kreuzfahrten betroffen.?Doch das Klagen will sich hierzulande nicht wirklich einstellen. Ganz im Gegenteil: Plötzlich sind deutsche Reiseanbieter wieder gefragt – und ganz offensichtlich gut im Geschäft, schließlich wollen die nun freien US-Betten durch eine andere Klientel gefüllt werden.

Vor allem Reiseveranstalter wie FTI, risikofreudig wie eh und je, setzte auf Kuba – und kann möglicherweise nun stimmungsvolle Rendite einfahren. „Die Nachfrage bei deutschen Urlaubern ist weiterhin sehr hoch, weshalb wir in unserem neuen Kuba-Jahresprogramm 2019/20 neue Touren abseits der gängigen Routen – beispielsweise eine individuelle Rundreise im voll ausgestatteten Camper oder eine Fahrradrundreise – konzipiert haben. Unter anderem sticht auch unser Flaggschiff, die MS Berlin, bereits im dritten Jahr in Folge ab Januar 2020 wieder ab Havanna zu ihrer Karibiktour in See“, freut sich Manuel Morales, FTI Group Head of Destination Caribbean & Mexico. Vor allem die Rückkehr der MS Berlin dürften die Münchner als besonderes Ereignis feiern, lag ihr Schiff durch den US-Ansturm doch ziemlich abseits des maritimen Zentrums in nahezu beschaulichen Gewässern. Aber nun ankert es wieder ganz nah an der Altstadt. Trump sei Dank – ein eher seltenes Gefühl für den amerikanischen Raufbold. Doch der twitter-freudige und streitbare US-Präsident sorgt zumindest in den touristischen Zentralen hierzulande für Entspannung.

Kuba gilt so im Reisejahr 2019 weiterhin als „landestypische“ Entdeckung für ungezwungene Urlaubsfreunde mit einem Hang zum kalkulierbaren Abenteuer. Darauf noch einen Cuba-Libre, den Chan Chan-Song des Buena Vista Social Club ein wenig lauter drehen – und an Yordanka Medina denken, die am Nachmittag mit ihrem Buik Super 1952 über die einstige Prachtstraße Havannas, den Malecón, cruiste, und über das Meer nach Norden schaute – bis nach Florida sind es nur 200 Kilometer – und dann hauchte die 41-Jährige leise: „Ich liebe Kuba, ich liebe mein Leben!“ Ihr Strahlen ließ keine Zweifel: kubanischer Stolz kann auch Mr. Trump nicht brechen! Deshalb lohnt es sich die Koffer zu packen: viva Cuba! 
 

Quelle: Eigen

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