Beim Rücken der Meerjungfrau

Kopenhagen mit  dem Boot statt mit dem Bike
Um die dänische Hauptstadt zu erkunden, setzen sich Touristen in Europas radfreundlichster Metropole gerne auf ein (Leih-)Fahrrad. Eine reizvolle Alternative fürs Sightseeing bietet ein Platz auf einem Schiff bei einer Bootstour durch Kopenhagens verzweigtes Kanalnetz. So eine einstündige Tour führt auf dem Wasser entlang an einigen der wichtigsten Attraktionen inklusive der berühmten Meerjungfrau. Diese Tour kostet bei „Stromma Canal Tours“ ab 169 Dänische Kronen (umgerechnet derzeit circa 22,65 Euro) und ist beim Kauf der „Copenhagen Card“ enthalten.

Mit eingezogenem Kopf unter Brücken 
Wir starten an der Anlegestelle von „Ved Stranden“ gleich gegenüber von Schloss Christiansborg. „Bitte den Kopf einziehen und nicht aufstehen“, mahnt gleich zu Beginn Guide Bo mit dem Mikrophon in der Hand auf englisch die rund 50 erwartungsvollen  Passagiere. Denn sofort kommt die erste von einigen niedrigen Brückendurchfahrten. Unser vollbärtiger Kapitän Oscar manövriert hoch konzentriert durch die ersten Engstellen. Der Käptn verlangsamt hier die Fahrt auf weniger als 4 Knoten, also in etwa Schrittgeschwindigkeit. Bald werden die Kanäle breiter, die Brücken höher und unser Boot schneller. Mit Blick auf das „Königliche Staatstheater“ aus dem Jahr 1748 geht es backbord links in einen breiten Hauptkanal. 

 Skipiste auf dem Heizkraftwerk
Das Ausflugsboot mit einem durchsichtigen Plexiglas-Aufsatz als Regenschutz gleitet flott zum futuristisch wirkenden, 2005 eröffneten Opernhaus. Vor der Oper biegt das Kanal-Boot steuerbord, rechts ab in einen schmalen Seitenkanal. Vorbei an einigen schick designten Wohnhäusern direkt am Kanal. Immer wieder kreuzen Kajaks und kleine Leihboote unseren Weg. Von Stegen unterhalb von hölzernen Badetrassen springen  Schwimmer ins Wasser. Fröhlich beklatscht von uns Sightseeing-Passagieren. Wieder zurück am Hauptkanal kommt der Schlot des Heizkraftwerks Ameger in Sicht. „Das schräge Dach wird als künstliche Skipiste genutzt“, erläutert Schiffs-Guide Bo. Das Kanalschiff passiert jetzt die Grenze zum mit Bojen markierten Kreuzfahrthafen Kopenhagens und dreht wieder ab zurück Richtung Stadtzentrum. 

Vorbei am Rücken der  Meerjungfrau
Zunächst richten sich unsere Blicke auf den stählernen Rumpf des  ausrangierten Kriegsschiffs „Peder Skram“. Die Fregatte der dänischen Marine  patroullierte bis 1990 auf See und dient nun als Museumsschiff.  Plötzlich kommt Bewegung in die Passagierreihen. Die Zeigefinger schnellen in Richtung einer Menschentraube an der Uferpromenade. Hektisch wird an den  Auslösern der Handykameras gefingert. Ja, es ist die nur 1 Meter 25 große, grünliche Bronzestatue der „Kleinen Meerjungfrau“ auf einem Podest aus Felssteinen. Das berühmte Wahrzeichen Kopenhagens lässt sich von unserem Kanalboot allerdings nur von der Rückseite betrachten. Die Enttäuschung darüber ist schnell verflogen. Denn kurz darauf entschädigt der Anblick der vier prunkvollen  Rokoko-Paläste von Schloss Amalienborg mit seiner mächtigen Kuppel in der Mitte die Boottouristen. „Hier wohnt die dänische Königsfamilie im Winter“, tönt die Stimme von Guide Bo über das Bordmikrophon. 

Beifall nach letzter Brückenkurve
Beim schwarzglänzenden „Black Diamond“, dem Kubus der dänischen Nationalbibliothek, biegt unser Aussichtsboot links ab. Jetzt schippern wir durch den Kanal des Szeneviertels „Christianshavn“ mit seinen bunten Häuserfassaden. An den Seiten ankern Boote und kleine Yachten. Oben an den Ufermauern sitzen Gäste auf den Terrassen der Restaurants. Auf der linken Seite schraubt sich die mit einer goldenen Spirale verzierte Turmspitze von „Vor Frelsers Kirke“ in die Höhe. Jetzt folgen noch zwei niedrige und enge  Brückendurchfahrten. Vor allem die letzte Kurve hat es in sich. Kapitän Oscar muss das Boot kurzzeitig zum Stehen bringen, um rechts  herumfahren zu können. Guide Bo mahnt eindringlich: „Bitte nicht die Arme raushängen lassen und nicht die Köpfe rausstrecken.“ 
Als das knifflige Manöver geschafft ist, brandet dankbarer Applaus durch die Sitzreihen. Noch wenige Meter, dann ist nach insgesamt einer Stunde unser Ausgangspunkt Ved Stranden wieder erreicht. Beim Aussteigen klimpern eine Menge Trinkgeld-Münzen in ein Glas, das Guide Bo auf dem Dach der Kapitäns-Kabine aufgestellt hat. Dass Kopenhagen-Besucher die Kanaltour als Highlight empfinden, spiegeln die Likes im Internet: mit satten 4,5 von 5 möglichen Sternen. 

Auch unser Fazit lautet: Entdecken Sie Kopenhagen mit dem Boot. Das ermöglicht sowohl bei einem  ersten Besuch als auch  Kopenhagen-Wiederholern spannende Einblicke in die dänische Hauptstadt. Damit fühlt sich Kopenhagen an wie sonst Venedig oder Amsterdam. 

Linktipps:
https://www.wonderfulcopenhagen.com ; https://www.visitcopenhagen.com ; https://www.visitsweden.com ; https://www.stromma.com 
Golfen am Öresund, siehe https://reisenundgolfen.de/?set=pages&p=golf&pID=4612

Quelle: eigen

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