Ochsenblut im Gebälk, Sauerkraut mit Fisch und verwunschene Gassen

Straßburg ist die Hauptstadt Europas und doch die des Elsaß

Straßburg kann mehr als Flammkuchen und Münster: Wer ausgefallen essen, ins Mittelalter abtauchen und Historie aufsaugen will, für den hat die „Hauptstadt Europas“ viel zu bieten.
Diebe wurden einst gnadenlos in Leinensäcke gesteckt und in die Ill geworfen. Andere Bürger der Stadt wie Johannes Gutenberg, Albert Schweitzer, Goethe, Napoleon und die Erzbischöfe brachten Ruhm und Ehre, wirkten und lebten in schmalen Fachwerkhäusern und prachtvollen Palästen. Wer Straßburg besucht, kann sich heute der prallen, gut 2000-jährigen Stadtgeschichte nicht entziehen. Wie aus dem überschaubaren mittelalterlichen Handelsstädtchen im Elsass über die Epochen hinweg die heutige „Hauptstadt Europas“ mit fast 300.000 Einwohnern wurde, ist eine mega-spannende Geschichte – und allein schon eine Reise wert. Und dass man hier im Elsass hervorragend essen, trinken und genießen kann, kommt noch dazu.

Straßburger Münster und Gerberviertel
Natürlich ist das Straßburger Münster in der Altstadt erstmal die Touristenattraktion Nummer eins der Stadt – und meist Ausgangspunkt jeder Stadtbesichtigung. Dass viele Sehenswürdigkeiten praktischerweise drumherum, geballt auf einer Insel zu finden sind, umschlossen vom Fluss Ill und dem Canal du Faux-Raumpart, macht das Sightseeing zur wahren Freude. Wer die Altstadt nicht zu Fuß erkunden mag, leiht Räder aus. Wir wollten die Stadt „erlaufen“ und hatten mit der alteingesessenen Straßburgerin Eliane eine Top-Stadtführerin an der Seite, die neben deutsch und französisch noch den Elsässer Dialekt spricht.

Die persönliche Stadtführung lohnt– vor allem, was die lange Baugeschichte des Münsters angeht. Die gotische Kathedrale mit nur einem Glockenturm (142 Meter hoch) beherbergt zudem die astronomische Uhr, die schon im 16. Jahrhundert die Umlaufbahnen der Erde, des Mondes, die Kalender- und Feiertage und noch mehr präzise berechnen konnte – und heute noch funktioniert. Beeindruckend.
Was uns ebenfalls in den Bann zog, waren die verwunschenen kleinen Gassen der Altstadt, in denen sich unzählige Fachwerkhäuser aneinanderreihen wie Perlen auf der Schnur, viele davon wurden aufwändig restauriert und modernisiert, im Erdgeschoss teils moderne Geschäfte, Restaurants und Cafes untergebracht. Hier kaufen Straßburger ihren Guglhupf, der traditionell sonntags gegessen wird, wie Elaine erzählte. Die herzhafte Guglhupfvariante mit Speck und Nüssen gibt es abends, zum Gläschen Cremant dazu.

Die meistfotografierte Attraktion der Altstadt ist das malerische Viertel namens „La Petite France“ (Kleines Frankreich). Autos sind hier nicht erlaubt. In den wunderbar erhaltenen Fachwerkhäusern entlang der Ill lebten früher vor allem Gerber, die ihre Felle unterm Dach trocknen ließen. Der Geruch muss „umwerfend“ gewesen sein im Mittelalter. Noch dazu, weil das Gebälk der Fachwerkhäuser früher mit Ochsenblut und anderen Materialen versetzt zusammengeklebt wurde. Großartig. Wer sich zur damaligen Zeit im Viertel zurecht finden wollte, brauchte sich nicht an Hausnummern orientieren sondern an Tieren, die in Holz geschnitzt am Giebel hingen. Man besuchte nicht Monsieur XY in Nummer 12, sondern drei Häuser rechts neben dem Hasen. Kein dummes System.

Auf dem Wasser zum Europaparlament
Wer mehr als die Altstadt sehen und noch viel mehr Historie aufsaugen will, sollte Straßburg vom Wasser aus erkunden. Die Touristenboote legen nahe des Münsters ab, fahren die Ill entlang, passieren viele historisch wichtige Stationen der Stadt bis hin zum Europaviertel, wo das Europarlament tagt und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte steht. Eine gut zusammengestellte, über einstündige Route mit Erläuterungen über Kopfhörer.

Sauerkraut mit Fisch
Dass Straßburger leidenschaftlich gern essen, wird allein dadurch sichtbar, dass es in der Stadt unzählige Restaurants gibt, und das gar nicht teuer. Wer Zeit hat und nicht allein wegen des herrlichen Flammkuchens oder einer pikanten Quiche Lorraine einkehrt, sollte mal eins der erstaunlich gutschmeckenden Choucroute-Gerichte probieren. Also: Sauerkraut bestellen. Aber auf typisch Elsässer Art, so wie wir es gar nicht kennen. Mal deftig mit Würstchen, Kartoffeln und Schweinebauch. Oder ausgefallen mit Meeresfrüchten respektive Fisch.
Fantastisches „Choucroute aux 3 poissons“, also Sauerkraut mit dreierlei Fisch und einer herrlichen Soße hat das historische Lokal Maison Kammerzell gegenüber dem Münster auf der Karte. Ob man dazu - wie empfohlen - ein Glas Gewürztraminer trinkt, bleibt jedem selbst überlassen. Im wunderschön restaurierten Kammerzell waren schon Prominente wie die Macrons, Elvis Presley oder Ursula von der Leyen zu Gast. Die Preise sind ein klein wenig gehobener, aber definitiv im Rahmen, auch was Wein angeht.

Übernachtungstipp: Hotel du Dragon, ein kleiner Viersterner, wenige Gehminuten zur Altstadt entfernt gelegen. Ein Doppelzimmer für 2 Nächte (beispielsweise vom 3. bis 5.10.) ist via booking.com ab 379 Euro zu haben, das Frühstück kostet 18 Euro pro Person.
Weitere Informationen zu Straßburg unter https://www.visitstrasbourg.fr/de/willkommen-in-strasbourg
Weitere Informationen zum Elsaß unter https://www.visit.alsace/de/
Top-Golfplatz in der Nähe: Kempferhof https://reisenundgolfen.de/?set=pages&p=golf&pID=4585

Quelle: eigen

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