Rathaus mit Belfried
Essen immer mit Frites
Die unterirdischen Gänge unter der Grand Place
Guide Aurelie mit Käse- und Bierverkostung
Der Wellington-Steinbruch
Emotional aufwühlende Installationen
in den Stollen n ur mit 1.Weltkrieg-Helmen
Essen im Best Western
mit Top-Nachspeise
Die Stadt Arras in Nordfrankreich
Wie so viele nordfranzösische Städte ist Arras in Hauts-de-France für Reisende eher terra incognita. Dabei ist die wunderschöne Stadt mit reicher Historie jede Reise wert.
Die Normandie kennt fast jeder. Aber die Gegend noch weiter nördlich, auch Hauts-de-France genannt? Die architektonisch umwerfende Stadt Arras, praktisch um die Ecke von Lille. Da kennen sich selbst Weitgereiste oft nicht mehr aus. Dabei hat Arras (mit gesprochenem s am Ende) ihren Besuchern jede Menge historisch Einmaliges zu bieten. Schönes und Bewegendes. Wir waren dort, schwer beeindruckt und wollen euch hier das Must-see näherbringen.
Flämisches Barock und Weltkulturerbe
Wer in Arras, Hauptstadt des Pas-de-Calais, Halt macht, für den ist die Erkundung des barocken Herzstücks der Stadt ein Muss. Zentrum von allem sind gleich zwei riesige Plätze, die Grand Place und die Place des Heros, die heute zum Unesco-Weltkulturerbe gehören und durch eine malerische Kopfsteinpflasterstraße, die Rue de Taillerie, verbunden sind. Beide Plätze sind gesäumt von wunderschönen Giebelhäusern und Arkaden, dicht an dicht nebeneinander. Ein architektonisches Meisterwerk klebt am nächsten. Jede Fassade im flämischen Barock hat ihren eigenen Charakter.
Käse, Bier und Frites
Samstags ist hier Wochenmarkt. Nicht nur der Coeur d’Arras, ein würziger Käse in Herzform, oder der lokale Ziegenkäse sind ein Gedicht. Zu den nordfranzösischen Spezialitäten gehören auch die vielen starken Biersorten, vom Rauchbier bis zum Blonde, die perfekt zum jeweiligen Käse dazu passen. Und nicht zu vergessen: Die fantastisch krossen Pommes. Arras kürt regelmäßig den oder die WeltmeisterIn im Frites-Brutzeln, ein Riesenereignis in der Stadt.
Rathaus und der Turm Belfried
So gut wie alle Events spielen sich natürlich im Zentrum ab. Der Heldenplatz ist mit 123 Metern Länge und 61 Metern Breite nur halb so groß wie die Grand Place. Früher hieß er auch la petite place dArras, also der kleine Platz von Arras. 1944 wurde er zu Ehren der getöteten Widerstandskämpfer in Heldenplatz umbenannt. Kaum zu glauben, dass im Ersten Weltkrieg fast 80 Prozent der Stadt zerstört waren – und alles wieder originalgetreu aufgebaut wurde. Das gilt auch für das Rathaus, das 1919 bis 1934 im Stil der Spätgotik nach alten Vorlagen wiedererrichtet wurde. Der Turm Belfried, das 75 Meter hohe Wahrzeichen von Arras, bietet einen spektakulären Blick über die Stadt – und ist -Gottseidan-k mit einem Lift vom Rathaus aus zu „bezwingen“.
Wer schon mal im Rathaus ist, sollte unbedingt auch in die Unterwelt der Stadt hinabsteigen. Etwa zwölf Meter unter der Erde, direkt unter den Plätzen und Straßen von Arras wimmelt es nur so von unterirdischen Gängen auf drei Ebenen, die schon im Mittelalter gegraben wurden. Jeden Tag gibt es Führungen hinunter in die geheimnisvollen „Boves D’Arras“, wie das etwa 20 Kilometer lange Tunnelsystem genannt wird. Unten ist es immer um die 8 Grad kalt. Weil die steinigen Stufen glitschig-feucht sind, dürfen Touristen nur mit Sturzhelm in die Katakomben aus Kreidestein hinein. Aurelie Clemence vom Tourismusamt lotste uns sicher durch das Labyrinth– ohne sie hätten wir nie wieder rausgefunden. Und auch nie erfahren, dass viele der Stadtpalais‘ bis heute einen Zugang in die Tunnel haben. Während der beiden Weltkriege wurden sie als Schutzräume genutzt.
Das Grauen des 1.Weltkriegs nachempfinden
Damit nicht genug der Unterwelt. Ein weiteres riesiges Tunnelsystem gibt es auch außerhalb des Zentrums: Den Wellington-Steinbruch von Arras aus dem Ersten Weltkrieg - 1917 Schauplatz einer verlustreichen, monatelang akribisch vorbereiteten taktischen Schlacht, heute ein Museum.
Damals lag die Stadt ganz nah an der Front. Um die deutschen Truppen zu überrumpeln, bauten die Commonwealth-Truppen in geheimer Mission bereits vorhandene Tunnel mit einem gigantischen Aufwand aus. Das unterirdische Netz führte am Ende von Arras bis zur Front, über mehr als 19 Kilometer. 24.000 australische, britische, kanadische, neuseeländische und neufundländische Soldaten lebten hier acht Tage lang unter der Erde, bei feuchten elf Grad, in teils 20 Meter hohen Gewölben, und warteten in der Kälte auf den Befehl zum Angriff. Wie die Tunnelbauer arbeiteten, lebten, was die vielen Soldaten dann kurz vor der Schlacht an Ostern 1917 durchmachten und warum der Dolchstoß letztlich misslang – all das erleben die Museumsbesucher bei der Hightech-Führung mit allen Sinnen in der Tiefe der Stollen. Wir haben selten eine Gedenkstätte erlebt, die so berührt. Und die Grauen des Kriegs so nachempfinden lässt. Chapeau.
Unser Übernachtungstipp für Arras:
Das Best Western Plus Le Fairway Hotel & Spa, nicht weit weg vom Stadtzentrum, direkt am Golfplatz von Arras ( siehe Besprechung unter https://reisenundgolfen.de/?set=pages&p=golf&pID=4578 ). Der Viersterner ist ruhig gelegen, modern eingerichtet, mit toller Terrasse zum Golfplatz. Das Doppelzimmer ist beispielsweise am Wochenende (26. bis 28. September 2025) via booking.com ab 346 Euro pro Person zu haben. Das tolle Frühstück kostet 20 Euro pro Person, die drei- bis viergängigen, sehr guten Abendmenüs sind ab 39 respektive 49 Euro zu haben. Nicht zu vergessen: 4 E-Tankstellen, bei denen sich Hoterlgäste kostenlos andocken können. https://www.hotel-spa-fairway.com
Weitere Informationen zu Arras unter https://www.arraspaysdartois.com/en/visit-arras/
Mehr zu Nordfrankreich unter https://www.nordfrankreich-erleben.com/
Quelle: eigen
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