Wie man richtig kreuzfährt, Teil 2

Die Wahl der Restaurants , nicht nur für Anfänger keine leichte Entscheidung
Im Vorfeld der Recherche kann die Anzahl an Restaurants und Bars, die auf der „Carnival Sunrise“ zu finden sind, überfordern. Vor Ort ist es dann aber doch relativ überschaubar. Im 9. Stock auf dem Lido-Deck befindet sich hinten der „Lido Marketplace“, ein klassisches Buffetrestaurant. Praktisch zu jeder Uhrzeit kann man sich hier Mahlzeiten jeglicher Art auf den Teller häufen, was auch rege genutzt wird. Dort kann es voll und hektisch sein und es finden sich dort am ehesten die Stereotypen der Kreuzfahrtgänger, die sich beim all inclusive hemmungslos bedienen. Ein Stockwerk höher in der „Cucina del Capitano“ kann man bis 14.30 Uhr kostenfrei leckere Pasta essen, am Abend ist das Restaurant kostenpflichtig. Ein absoluter Knaller ist der „Guys Burger Joint“ auf dem Lido-Deck vorne am Hauptpool. Bis 18.30 Uhr gibt es dort ab morgens frische Pattys mit Käse überbacken, dazu leckere Pommes, diverse Soßen und sonstige Toppings wie Krautsalat, Tomaten oder Gurken. Die Burger sind absolute Spitzenklasse! Wer gepflegt inkludiert Essen will, der ist im Sunshine Restaurant auf dem 3. Deck hinten richtig.

A la carte im großen Restaurant
Am Abend kann man A-la-carte aus drei Gängen wählen und das Menü variierte jedes Mal. Auch am Morgen bestellen sich die gepflegten Gäste dort ein Frühstück nach der Karte und haben die Auswahl zwischen Omelett, Eiern Benedikt, Pancakes oder anderen Leckereien. Man bekommt einen Tisch zugewiesen und es ist nie voll. Die Kleidung ist in der Regel angemessen. Durch die doch starke Klimatisierung in dem Raum sollte man definitiv lange Kleidung und geschlossene Schuhe anhaben – nicht nur der Etikette wegen, sondern weil man ansonsten ziemlich friert. Nicht inkludierte Abendrestaurants auf dem Schiff sind noch ein Steakhouse und eine Sushi-Bar.

Das Boarding
In einen Flieger bin ich schon tausend Mal gestiegen, aber wie läuft das auf dem Schiff ab? Trotz Recherche hatte ich wirklich keinen Plan, wie viel Zeit einzuplanen ist. Am Ende muss ich sagen, dass alles entspannter abläuft, als ich es mir vorgestellt hatte. Im Vorfeld des Online-Checkin gebe ich einen Zeitslot an, in dem ich boarden will. Vor Ort ist das dann aber nicht in Stein gemeißelt. Es gibt eine Reihe für „boarding on time“ und ebenfalls eine Reihe für „boarding early/late“. In beiden ist wenig los und ich kann, obwohl zu früh da, direkt durchgehen. In einem ersten Schritt wird mein Reisepass und mein Esta-Visum gecheckt und ein Foto von mir gemacht. In einem zweiten Schritt wird das Gepäck gescannt, ähnlich wie am Flughafen, dann präsentiere ich erneut meinen Boarding-Pass und schon geht es aufs Schiff. Zu keiner Zeit muss ich anstehen, da sich der Boarding-Prozess über mehrere Stunden zieht und jeder praktisch kommen kann, wann er will. Die Zimmer sind für alle erst ab 13.30 Uhr (Ausschiffung war um 15.30 Uhr) verfügbar, aber es steht einem frei, schon vorher den Pool zu nutzen oder etwas zu essen.
Die Zimmerkarte befindet sich direkt an der Eingangstür. Sie sollte man immer bei sich führen, denn darauf werden die Konsumationen gebucht und bei den Landgängen kann man nur mit der Karte vom Schiff bzw. anschließend auch wieder drauf. Was übrigens der Begriff „Muster Station G“ auf meinem Boarding Pass bedeutete, lerne ich dann auch: Im Notfall muss ich mich auf dem Deck der Rettungsboote im Bereich G einfinden. Dort erhalte ich auch beim Boarding eine kurze Einweisung in die Rettungswesten und den Evakuierungsprozess – eine gute Sache, die zwar Zeit kostet, aber absolut notwendig ist.

Trubel am Whirlpool bei der Ausfahrt
Die Kreuzfahrt führt ab Miami fünf Nächte lang durch die östliche Karibik und die Kulisse ist zu jeder Zeit absolut traumhaft. Das Schiff ermöglicht es, in kurzer Zeit zu abgelegenen Inseln zu gelangen, die gerade für Europäer nicht mal per Direktflug zu erreichen sind. Um 15.30 Uhr fahren wir in Miami ab und die Ausschiffung ist absolut spektakulär, entlang der Skyline von Downtown und am schier endlos langen Miami Beach entlang. Die Amerikaner an Bord scheint das alles wenig zu interessieren, denn sie feiern ordentlich an Deck. Ruhesuchende hingegen beobachten das Spektakel aus der Ferne und genießen den Anblick der Wolkenkratzer und Yachten.

Einsamkeit auf den Bahamas
Wir fahren die ganze Nacht und legen am nächsten Tag pünktlich um 7 Uhr morgens in Nassau auf den Bahamas an. Dort im Hafen tummeln sich bereits vier andere Kreuzfahrtschiffe. Nassau selbst ist ziemlich trubelig und hat das ein oder andere Luxusresort zu bieten. Vom Schiff organisierte Ausflüge gehen beispielsweise nach Paradise Island. Die meisten Kreuzfahrt-Touristen steuern den ersten Strand nahe des Hafens an, den Junkanoo Beach. Dort ist das Wasser zwar traumhaft klar, aber auch voller Menschen. In der Frederick Street unweit vom Hafen befindet sich ein Busbahnhof. Die „Jitneys“ sind lokale Busse, die für alle Passagiere 1,25 US-Dollar kosten,egal wie weit die Strecke ist. Einen Fahrplan gibt es nicht: Die Kleinbusse fahren erst los, wenn sie voll sind. Mit dem Bus Nummer 10 fahre ich also an der Küste entlang und kann den einsamen Saunders Beach oder den Cable Beach genießen. Dort unter Palmen, die Zehen im feinen, weißen Sand, kommt Karibik-Feeling auf.

Auf dem Rückweg mache ich doch noch einen kurzen Abstecher zum quirligen Junkanoo Beach und schnuppere dort bei Bob-Marley-Live-Musik Karibikluft. Der Ausflug ist an einem Tag bequem zu schaffen. Die Ausschiffung aus Nassau ist ein absoluter Traum, vorbei am kleinen Leuchtturm, der von türkisfarbenem Meer umsäumt ist.

Privatinseln der Kreuzfahrtindustrie
Die Carnival Sunrise fährt wieder über Nacht und kommt am frühen Morgen auf der Reederei-eigenen Privatinsel Half Moon Cay an. Diesem Stopp stand ich von Anfang an kritisch gegenüber, denn eigentlich kann ich dem Konzept, eine künstliche Insel im Meer nur für Kreuzfahrt-Touristen zu schaffen und Karibikfeeling vorzuspielen, nichts abgewinnen. Aber der Halt wurde ausnahmslos auf allen Routen angeboten. Von Weitem sieht Little San Salvador, wie Half Moon Cay eigentlich heißt, wirklich schön aus. Der Sand ist unfassbar weiß und das Wasser dadurch in einem hellen Türkis. Ein Traum sozusagen – allerdings nur, bis die Kreuzfahrt-Meute das Land entert. Vom Schiff steige ich auf ein kleineres Wassertaxi um, das die Gäste auf die Insel bringt. Direkt am Anlegersteg dröhnt Musik und die Menschen tummeln sich am Strand und im Wasser. Half Moon Cay ist halbmondförmig angelegt und je weiter ich laufe, desto ruhiger und schöner wird es. Bei 30 Grad im Schatten ist das aber ganz schön anstrengend.
Ich habe mich gerade in den hinteren Teil der Insel gekämpft, in die erfrischenden Fluten gestürzt und freue mich auf eine entspannte Umgebung, als Security auf mich zukommt. Ich solle bitte verschwinden, denn hier beginne gleich eine Hochzeitszeremonie. Das ganze Hin und Her nervt mich schließlich so, dass ich zurück zum Schiff gehe. Wozu hat man denn schließlich einen eigenen Balkon?
Nach einer weiteren Fahrt über Nacht legt das Schiff am Morgen auf Grand Turk an. Während sich in dem Moment die meisten Passagiere die Teller am Buffet vollmachen, genieße ich fast alleine den Anblick, wie der Ozeanriese schwerelos in den Hafen gleitet.

Karibisches Paradies: Grand Turk
Auf Grand Turk gibt es, anders als in Nassau, keine großen Hotels. Das Wasser ist von einem intensiven Türkis – und diesmal ist alles echt! Die gesamte Insel lebt förmlich ein „easy laid back life“. An Land gibt es auch wieder für jeden etwas nach seinem Geschmack: Einen Partypool, einen schönen, aber schnell überfüllten Strand und einen Duty-Free Shop, ohne die Hafenanlage überhaupt verlassen zu müssen. Oder etwas für die Abenteurer: Bereits vorab habe ich im Internet ein Golf Cart beim Anbieter „paradise carts“ gebucht und konnte ihn sogar noch etwas herunterhandeln und so verlasse ich gezielt den Hafen und steuere den Anbieter an. Auf Grand Turk und generell auf den Turks and Caicosinseln herrscht Linksverkehr. Es macht Spaß, mit dem Golf Cart über die dünn besiedelte Insel zu düsen, links und rechts immer wieder der Ozean. Und dazwischen: süße Esel am Wegesrand!

Der Leuchtturm der Insel ist vom Hafen rund sieben Kilometer entfernt und ein schönes Ziel. Auch das Städtchen Cockburn Town bietet kolonialen Charme. Am Pillory Beach ist es fast menschenleer. Den Nachmittag ausklingen lasse ich am Governor’s Beach, das Schiff bereits wieder in Sichtweite, aber dennoch so weit weg, als dass es voll ist. Immer wieder bin ich von der Farbe des Wassers fasziniert. Im Halbschatten der Bäume kann ich mich mit einer Dose Cola erfrischen – Bier wird hier am Strand nicht verkauft, erzählen sie mir. Die Sprache ist eine Mischung aus Englisch, Französisch und Kreolisch. Grand Turk mit seiner Ursprünglichkeit, dem glasklaren Wasser, den netten Menschen und dem gemütlichen Lebensstil begeistert mich und macht die Karibik-Kreuzfahrt zu einem echten Highlight. Am Abend ist Trubel auf dem Schiff, denn am nächsten Tag, dem „fun day at sea“, wie Carnival es stets anpreist, kann jeder ausschlafen.

Der Seetag
Zur Feier des Tages gibt es dann auch einen späten Brunch. Der Seetag ist dann aber ruhiger als gedacht. An Deck spielt eine Band karibischen Sound und der Tag vergeht mit Sonnenbaden, Essen und Ausruhen. Die Sportlichen unter den Passagieren toben sich im Fitnessstudio aus, spielen am Mitteldeck Minigolf oder nutzen gar die kleine Outdoor-Joggingstrecke. Ein letzter Sonnenuntergang mitten auf dem Meer ist magisch.
Am nächsten Morgen fährt die „Carnival Sunrise“ schon früh in den Hafen von Miami ein. Bis 8.30 Uhr müssen alle ihre Kabinen verlassen haben. Auch ich gehe von Bord, mit jeder Menge toller Erinnerungen im Gepäck und tatsächlich mit dem Gedanken: Das war nicht meine letzte Kreuzfahrt.

Informationen zu Carnival unter https://www.carnival.com

Quelle: eigen

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