Das US-Reisegeschäft ist im Sinkflug
 
Reisen in die USA bietet Bettina Reiche von „Golfreisen Hamburg“ mangels Kunden-Nachfrage seit einiger Zeit schon gar nicht mehr an. Denn: „Im Moment sagen viele: Solange Trump dran ist, ist das für uns keine Option.“
Stattdessen laufen bei Golfern andere Fernziele gut. „Mauritius ist sehr beliebt und auch Thailand ist stark im Kommen.“ Nicht nur bei Golfreisen verzeichnen die USA derzeit einen drastischen Rückgang an Touristen.

Geld zurück bei verweigerter Einreise
Der auf die Vereinigten Staaten spezialisierte Veranstalter „Canusa Touristik“ stemmt sich mit einer besonderen Aktion gegen diesen negativen Trend: mit einer finanziellen Einreise-Absicherung für USA-Reisen nach den jüngst verschärften Kontrollen, bei denen nun sogar die Social-Media-Aktivitäten der vergangenen fünf Jahre von den US-Grenzern überprüft werden. „Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass Reisenden trotz vollständig erfüllter Einreisevoraussetzungen und korrekter Angaben die Einreise verweigert wird, erstattet Canusa Touristik den gebuchten Reisepreis komplett“, wirbt der Nordamerika-Spezialist als erster und bisher einziger deutscher Reiseveranstalter mit einer Geld-zurück-Garantie. Canusa hofft damit, die stark verunsicherte Kundschaft bei der Stange zu halten.

Trend dreht seit Sommer 2025
Bis zum Frühjahr 2025 verzeichnete der Touristenstrom aus Deutschland Richtung USA noch Zuwächse und zeigte sich auf dem besten Weg, die Vor-Corona-Marke von 2019 mit jährlich rund zwei Millionen Urlaubern erstmals zu übertreffen. Doch nach dem Mai kippte die Stimmung. US-Präsident Trump, der im Januar ins Weiße Haus einzog, schockte ab dem Frühsommer Reisewillige mit seiner zunehmenden Europafeindlichkeit über Strafzölle und verschärfte Einreisekontrollen. Im Juli brachen daraufhin die Einreisen deutscher Touristen bereits um rund 15 Prozent ein. Bis zum Jahresende 2025 summierte sich das Minus auf rund satte 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Tourismus boomt weltweit - außer in die USA
Das Bemerkenswerte daran: Weltweit erlebt der Tourismus einen Boom. Insgesamt verreisten nach Zahlen der UN-Tourismusorganisation im Jahr 2025 vier Prozent mehr Menschen. Nur die USA verzeichneten einen Rückgang von 4,2 Prozent. Das bedeutet für die Vereinigten Staaten 11 Millionen Gäste weniger mit einem Einnahmeverlust von 50 Milliarden Dollar. Alles andere als Peanuts. Ausbaden müssen das Hotellerie, Restaurants, Autoverleiher und Fluggesellschaften.

Buchungen gehen 50 Prozent zurück
„Meridia-Reisen“, seit 35 Jahren auf Nordamerika-Tripps spezialisiert, verzeichnet aktuell einen Buchungsrückgang von 50 Prozent bei seinen US-Reisen. Geschäftsführerin Elfriede Wank-Wrba erlebte 2025 noch „das bislang beste Jahr, das wir je hatten“. Der Rückgang gehe klar auf das Konto von Trump. Da könne sie mit Argumenten wie dem niedrigen Dollar-Kurs nicht gegensteuern. „Ich habe es aufgegeben, darüber zu diskutieren.“ Meridia kann einen Teil des Rückgangs durch den starken Zuwachs bei seinen Kanada-Angeboten noch abfangen. Allerdings: „Da reisen ganz andere Menschen hin.“ Die Reisebüro-Chefin hofft, „dass sich das Blatt nach den Mid-Terms-Wahlen wendet. Vielleicht ist es dann nur eine kurzfristige Delle wie nach 9/11.“

Hoffnung auf Fußball-WM
Ob sich die kommende Fußball-Weltmeisterschaft ab dem Sommer als touristischer „gamechanger“ erweisen kann, erscheint mehr als fraglich. Branchenkenner sprechen von einem höchstens kurzfristigen Effekt, der sogar ins Negative umschlagen könnte. Dann nämlich, wenn es während der WM zu Gewaltakten -wie zuletzt in Minneapolis- kommen sollte. Jedenfalls deutet nichts hin auf ein amerikanisches Fußball-„Sommermärchen“. So eines, wie bei der Weltmeisterschaft 2006, als sich Deutschland als attraktives, gastfreundliches Touristenziel präsentieren konnte.

Trendumkehr dauert lange
Wie lange es dauern kann, bis sich ein negativer Trend wieder umkehren kann, zeigt das Beispiel Türkei. Auch hier sorgten laut der Hamburger Reisebüro-Inhaberin Bettina Reiche die politischen Verhältnisse für einen Einbruch bei den Buchungen. Das war 2016, als der türkische Staatspräsident Erdogan mit Gewalt gegen die kurdische Minderheit vorging und die Türkei wiederholt von Anschlägen erschüttert wurde. Touristen mieden daraufhin plötzlich das bis dahin beliebte Reiseland. Es dauerte fast zehn Jahre , bis die Vorbehalte zum Urlaub am Bosporus schwanden. „Die Nachfrage nach Türkei-Reisen hat sich erst jetzt wieder erholt “, berichtet Reisebüro-Chefin Reiche.

Quelle: Eigen

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